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Der Großinquisitor

"Aber schweigt der Gefangene ebenfalls? Er blickt ihn an und spricht kein Wort?"

"So muß es unter allen Umständen sein"

 

Der Großinquisitor – Szenische Lesung aus dem Roman "Die Brüder Karamasov"

von Fjodor Dostojewskij Aufführungstermine Vor und hinter den Kulissen
Regie: Markus Karger Pressestimmen Technische Voraussetzungen

Die beiden getrennt aufgewachsenen Brüder Iwan und Aljoscha treffen sich in einer Kneipe und lernen sich hier erstmals im Gespräche näher kennen. Unweigerlich lenkt sich das Gespräch auf Gott. Iwan ist der ungläubige Thomas, voll Zweifel und Zorn. Die Eintrittskarte in den Himmel, die Harmonie Gerecht bis Du, Herr! gibt er ehrerbietigst zurück an seinen Schöpfer, im Angesicht der Not und Ungerechtigkeiten. Aljoscha zweifelt nicht, seine Seele hat er dem Herrn geschenkt. Er gemahnt Iwan, dass Er alles verzeihen könne, da Er sein unschuldiges Blut für alle und alles gegeben hat. Hier beschließt Iwan Aljoscha die Geschichte vom Großinquisitor zu erzählen, die er voller Begeisterung ersonnen, doch nie aufgeschrieben im Gedächtnis mit sich trägt:

Mein Poem heißt 'Der Großinquisitor', es ist abgeschmacktes Zeug, doch ich möchte es Dir gern mitteilen. Von der Art des 16. Jahrhunderts lässt Iwan den Heiland für einen Augenblick auf die Erde zurückkehren. In das Sevilla der spanischen Inquisition kommt Jesus zu den Menschen, die ihn seit Jahrhunderten anbetend erwarten, Ihn lieben, auf Ihn hoffen, für Ihn leiden, für Ihn sterben und zu seinem Ruhme im Lande täglich die Scheiterhaufen lodern lassen. ER wirkt Wunder, wird verhaftet und vom Großinquisitor verhört. Doch nur dieser ist es, der spricht.

Aljoscha ist erregt von dieser Geschichte. Ihm ist ihr Inhalt fremd, doch fasst er, dass der Katholizismus, mehr noch die Jesuiten Gegenstand der Geschichte sind. Iwan sieht im Inquisitor einen Menschen, der sich mit Askese für die Freiheit und Vollkommenheit schulte, der jedoch im Momente des höchsten Glücks, der Vollendung die Einsamkeit seiner Position erkennt. Für Aljoscha glaubt der Inquisitor nicht. Iwan stimmt dem zu, mehr noch: der Inquisitor hat die Angebote des großen Geistes, die Jesus ablehnte, angenommen, des furchtbaren Geistes des Todes und der Zerstörung, der Lüge und des Betrugs, damit die bedauernswerten Blinden nicht wissen wohin man sie führt und sich wenigstens unterwegs für glücklich halten. Zum Abschied küsst Aljoscha Iwan auf die Lippen, macht diesen dadurch seinen Wunsch sein Leben im dreißigsten Lebensjahre mit dem Niederschmettern des Bechers zu beenden, genauso vergessen, wie Dimitrij, den ältesten der drei Brüder, der unabhängig voneinander beider - Iwans und Aljoschas - eigentliches Ziel dieses Abends war.